Bei Befall schnellstmöglich handeln
Im Mai hat wurde ein Vorkommen der Großen Drüsenameise an einem Gehweg sowie auf angrenzenden privaten Grundstücken in der Alten Bergstraße in Jugenheim festgestellt. Der von der Gemeindeverwaltung beauftragte Gutachter bestätigte inzwischen, dass es sich um die Art Tapinoma Magnum handelt und hat entsprechende Empfehlungen zur Bekämpfung des Befalls gegeben. Mit den Maßnahmen im öffentlichen Bereich hat die Gemeinde begonnen und führt künftig regelmäßige monatliche Kontrollen durch.
Anwohner der Alten Bergstraße zwischen dem Feuerwehrstützpunkt Jugenheim und der Kreuzung an der Bickenbacher Straße sind bereits von der Gemeindeverwaltung angeschrieben worden und sollten sich bei Lisa Dönges vom Bereich Umwelt und Klima melden. Auch Anwohner in benachbarten Straßen wie der Saarstraße, der Gutenbergstraße und der Bahnhofstraße ist dies empfohlen. Denn es besteht die Gefahr,, dass die Drüsenameisen sich über die Gärten in weiteren Bereichen ansiedeln. „Wir wollen hier mit einer guten Aufklärung erreichen, dass ein Befall schnellstmöglich erkannt wird und so die Ausbreitung eingedämmt werden kann“, erklärt Lisa Dönges. Bei Bedarf können auch Grundstücke auf ein Vorkommen der Tapinoma Magnum überprüft werden.
Die Große Drüsenameise ist eigentlich im Mittelmeerraum beheimatet, breitet sich aber auch in Deutschland immer mehr aus. Anders als heimische Arten hat die Tapinoma Magnum mehrere Königinnen und bildet Superkolonien oftmals unter Platten und Pflastersteinen. Gehwege oder Einfahrten und Stellplätze können so über große Flächen unterhöhlt und geschädigt werden. Aber auch in Gebäude kann die Große Drüsenameise eindringen und zu Schäden an der technischen Infrastruktur führen. In Reinheim war im vergangenen Jahr das komplette Gelände einer Grundschule betroffen. In Kehl haben Drüsenameisen immer wieder Strom- und Internetausfälle ausgelöst, nachdem sie sich in Verteilerkästen breit gemacht hatten.
Erkennen lässt sich die Große Drüsenameise, die anders als ihr Name vermuten lässt, nur wenige Millimeter groß ist, zum einen an ihrem markanten Geruch. Zerdrückt man ein Exemplar zwischen den Fingern, so riecht es nach Aceton oder auch nach Zitronen. Zudem sind die Arbeiterinnen einer Kolonie unterschiedlich groß und ziehen sich nicht zurück, wenn sie gereizt werden, sondern strömen aus und verteidigen ihre Kolonie. In einem Nest gibt es darüber hinaus nicht nur eine, sondern mehrere Königinnen, was die Superkolonien mit mehreren Millionen Ameisen erklärt. „Es ist wichtig, nicht vorsorglich sämtliche Ameisen auf dem eigenen Grundstück zu bekämpfen, denn die heimischen Ameisenarten sind ein natürlicher Konkurrent der Tapinoma Magnum und erfüllen im Ökosystem eine wichtige Rolle“, betont Lisa Dönges. „Eine gezielte Bekämpfung sollte erst erfolgen, wenn die Art eindeutig bestimmt wurde.“
Für die Bekämpfung der Drüsenameise im öffentlichen Raum ist die Kommune zuständig, im privaten Bereich müssen die Betroffenen selbst tätig werden. Je nach Ort und Größe des Befalls, kann es ausreichen, die Ameisen in den Nestern mit heißem Wasser aus dem Wasserkocher zu bekämpfen. Bei einer größeren Ausbreitung muss gegebenenfalls ein sachkundiger Schädlingsbekämpfer hinzugezogen werden. Da die Ameisenart meist über Erde und Pflanzen verschleppt wird, empfiehlt es sich außerdem, beim Kauf oder der Weitergabe insbesondere von mediterranen Pflanzen diese auf einen Ameisenbefall zu überprüfen. Ist eine Pflanze betroffen, sollte sie komplett mit dem Topf luftdicht verpackt und über den Restmüll entsorgt werden, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden. In die Biotonne oder zum Kompost gehört sie auf gar keinen Fall.
Wer den Verdacht hat, dass sich die Große Drüsenameise auf seinem Grundstück angesiedelt haben könnte, sollte sich unverzüglich mit der Gemeindeverwaltung in Verbindung setzen. Zusätzlich kann man auch Fotos oder ein Video der Sichtung bei der Meldestelle des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hochladen und begutachten lassen. Seit Anfang April gibt es diesen kostenfreien Bestimmungsservice das Landes, der helfen soll, die Ausbreitung der Großen Drüsenameise einzudämmen.
Kontakt: Lisa Dönges, Bereich Umwelt und Klima, Tel. 06257/990-206, E-Mail lisa.doenges@seeheim-jugenheim.de.
Weitere Informationen sowie den Link zur Bestimmungsstelle gibt es unter www.hlnug.de/themen/naturschutz/tiere-und-pflanzen/arten-melden/grosse-druesenameise.
Informationen zu invasiven Arten in Seeheim-Jugenheim wie Asiatischen Tigermücken, Asiatischen Hornissen und Großen Drüsenameisen gibt es auch hier auf der Gemeinde-Webseite.
Foto: A. Bellersheim / SMNS

