Invasive Arten
Invasive Arten

Tigermücken, Hornissen, Drüsenameisen und Co
Im Zuge der Globalisierung gelangen immer mehr Tiere, Pflanzen und Pilze in neue Lebensräume: zum einen durch die Einfuhr von Zier- und Nutzpflanzen oder Jagdwild, zum anderen als "blinde Passagiere" durch die Verschleppung von Pflanzensamen mit Handelsgütern oder von Larvenstadien im Ballastwasser von Schiffen. In einigen Fällen können sich die Neuankömmlinge etablieren, massenhaft vermehren und natürlich vorkommende Ökosysteme, Biotope oder Arten schädigen. Hier spricht man von invasiven Arten.
Invasive und gebietsfremde Organismen stellen weltweit eine der Hauptbedrohungen für die Artenvielfalt, natürliche Lebensräume und Ökosysteme dar. Daneben können gebietsfremde Arten auch den Menschen direkt betreffen. Neu auftretende Schädlinge verursachen Schäden in der Land- und Forstwirtschaft, bisher unbekannte Insekten können gefährliche Krankheiten verbreiten oder Allergien gegen neu auftretende Blütenpflanzen können auftreten.
Wir informieren hier zu Asiatischer Tigermücke, Asiatischer Hornisse, Großer Drüsenameise sowie in Kürze zu weiteren invasiven Arten, die sich in Seeheim-Jugenheim seit einiger Zeit ausbreiten.
Asiatische Tigermücke

Die Asiatische Tigermücke ist eine Stechmückenart, die ursprünglich aus Südostasien stammt und weltweit immer mehr zu finden ist. 2018 wurde sie erstmals in Hessen nachgewiesen. Etliche Meldungen von Bürgerinnen und Bürgern beim Hessischen Landesamt für Gesundheit und Pflege (HLfGP) belegen, dass die lästige Stechmücke seit 2022 auch in einigen Teilen von Seeheim-Jugenheim anzutreffen ist, dabei insbesondere im Ortsteil Seeheim.
Tigermücken können Krankheiten wie etwa das Dengue-Fieber übertragen, was in Deutschland allerdings noch eine eher untergeordnete Rolle spielt. Hierzulande sind sie eher als sogenannter Lästling aktiv, denn die nur etwa einen Zentimeter großen Stechmücken mit ihrem auffälligen schwarz-weiß gestreiften Längsstreifen am Rücken belästigen, einmal angesiedelt, mit ihren Stichen rund um die Uhr. Dies unterscheidet sie von den herkömmlichen Mücken, die nur in der Dämmerung aktiv sind. Die Tigermücken-Saison geht in der Regel von Anfang April bis Ende September.
Brutstätten und Wasseransammlungen konsequent zu vermeiden, gilt als die wichtigste Strategie bei der Bekämpfung der Tigermückenplage. Dabei sind die ausgesprochen anpassungsfähigen Insekten nicht wählerisch und nutzen nahezu jede Möglichkeit, wo sich Wasser ansammeln kann: etwa in Untersetzern, herumliegendem Spielzeug und Joghurtbechern, verstopften Regenrinnen und Abflüssen oder offenen Regentonnen.
Ein Vortrag von Artur Jöst von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft der Schnakenplage e.V. (KABS), den er 2025 im Rahmen der Bürgerversammlung in Seeheim-Jugenheim zum Thema Tigermücken gehalten hat, liefert wertvolle Informationen und Handlungsempfehlungen. Den Vortrag mit vielen Beispielen in Bildern gibt es hier.
Was tun, um Brutstätten zu vermeiden
Einfache wie wirksame Maßnahmen, die die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V. (KABS) bei Tigermücken empfiehlt:
- Aufräumen und entsorgen: Alles, worin sich Wasseransammlungen bilden können wie altes Kinderspielzeug, ausrangierte Untersetzer und Übertöpfe, Autoreifen
- Abdichten: zum Beispiel hohle Zaunpfähle oder Regentonnen (entweder mit Deckel versehen und auf eine Erhöhung stellen: Wasserentnahme über einen Wasserhahn möglich; andere Möglichkeit: mit einem Netz versehen und fest verschließen, gibt es in Baumärkten oder online)
- Trocken lagern: Gießkannen und Schubkarren umdrehen, Gartengeräte und Material nicht im Freien, sondern geschützt in Hütte oder Garage lagern
- Freihalten von Abläufen: Verstopfungen in Regen- oder Entwässerungsrinnen beseitigen
- Wöchentlich leeren: Tiertränken, Untersetzer und Übertöpfe ausleeren und säubern, am besten mit ca. 60 bis 70 Grad heißem Wasser und einer Bürste
- Bti-Tabletten: Können in Regentonnen (wenn nicht verschlossen), in kleinen Teichen und in Gullys verwendet werden.
- Heiß ausspülen: Wöchentlich die Innenränder von Untersetzern mit heißem Wasser (60 bis 70 Grad) heiß ausspülen und mit der Bürste säubern. Wo es möglich ist, am besten gar keine Untersetzer verwenden.
TIpp: Wo es im Garten hakt und sich Wasseransammlungen bilden können, zeigt sich besonders gut nach einem Regentag.
Befall melden: Wichtig fürs Tigermücken-Monitoring
Das Dezernat Klimawandel und Gesundheit des Hessischen Landesamtes für Gesundheit und Pflege (HLfGP) führt ein Tigermücken-Monitoring durch, um so die Verbreitung der Stechmücken im Blick zu behalten und Empfehlungen zum Gesundheitsschutz für Behörden wie Bevölkerung bereitstellen zu können. Wer Tigermücken auf seinem Grundstück feststellt, kann Fotos der Funde direkt an das Dezernat per E-Mail schicken: klima@hlfgp.hessen.de.
Weitere ausführliche Informationen zur Asiatischen Tigermücke mit Checkliste für Brutstätten und Infoblatt gibt es unter www.hlfgp.hessen.de/klimawandel-und-gesundheit/asiatische-tigermuecke.
In betroffenen Straßen: Aktiv werden als "Tigermücken-Sprecher"
In den betroffenen Straßen in Seeheim haben sich 2025 auf Initiative der Gemeindeverwaltung bereits einige Bürgerinnen und Bürger gemeldet, um als sogenannte Tigermücken-Sprecher für ihren Bereich aktiv zu werden. Sie sind Ansprechpartner für die Gemeindeverwaltung und leiten Informationen an Nachbarinnen und Nachbarn weiter. In diesem Verteiler sind bisher „Tigermücken-Sprecher“ für die Gerhart-Hauptmann-Straße, die Schillerstraße, die Goethestraße, den Beethovenring Ecke Franz-Liszt-Weg sowie den Floriansring. Gesucht werden noch weitere Ansprechpartner für Straßen mit Tigermücken-Befall.
Bei Fragen und Interesse: Umwelt und Klima, Lisa Dönges, Tel. 06257/990-206, E-Mail lisa.doenges@seeheim-jugenheim.de.
Einsatz von Bti: Regelmäßig Gullys gießen
Nach Angaben der Kommunalen Aktionsgemeinschaft der Schnakenplage e.V. (KABS) stellen Straßengullys mit ihrem dauerhaft stehenden Wasser beliebte Brutstätten für die Asiatische Tigermücke dar. Die Stechmücken werden hier mit Bti bekämpft, ein Bakterienprotein, das spezifisch Mückenlarven tötet, aber für Menschen, Haustiere und Pflanzen ungefährlich ist. Alle drei Wochen müssen die Gullys mit dem Bti gegossen werden, das die Gemeindeverwaltung kostenlos zur Verfügung stellt. In einigen betroffenen Gebieten haben sich sogenannte Gully-Patenschaften gebildet. Anwohner wechseln sich hier beim Gießen ab. Der Aufwand für den einzelnen bleibt damit überschaubar.
Grundsätzlich gilt beim Einsatz von Bti: Vorrang hat die Vermeidung potenzieller Brutstätten. Der Einsatz des Wirkstoffs sollte ausschließlich dort erfolgen, wenn sich Brutstätten - wie im Fall von Gullys oder Abläufen - nicht vermeiden lassen.
Nach der Saison ist vor der Saison: Vorsorge treffen in Herbst und Winter
Zum Ende des Sommers hin legen die Tigermücken spezielle Eier ab, die besonders widerstandsfähig sind. Während die erwachsenen Mücken und ihre Larven im Winter absterben, können die kältetoleranten Eier Temperaturen bis zu Minus 10 Grad überstehen. Abgelegt werden sie, ähnlich wie in der Sommersaison, an den Rändern von Wasseransammlungen. Und diese Brutstätten gilt es im Herbst und Winter zu beseitigen. Blumentopfuntersetzer, Vogeltränken, Gießkannen und andere Behälter sollten vollständig ausgeleert werden. Alles muss gründlich ausgebürstet werden, da die Tigermückeneier an den Wänden kleben. Töpfe, Eimer und Untersetzer sollten kopfüber gelagert werden, damit sich kein Wasser darin sammeln kann. Nicht mehr benötigtes Material aus dem Garten oder von den Balkonen sollte weggeräumt werden, um potenzielle Brutstätten zu beseitigen. Verstopfte Dachrinnen und Fallrohre können Wasser aufstauen und sollten überprüft werden. Wenn Regentonnen nicht entleert werden können, sollten diese mit einem engmaschigen Netz abgedeckt werden. Auch kleine Ritzen und Spalten, in denen sich Wasser sammeln könnten, sollten genau untersucht und gegebenenfalls mit Sand aufgefüllt werden.
Asiatische Hornisse

Illustration: Reiner Jahn / Velutina
Die Asiatische Hornisse, die mit ihren etwa 2,4 Zentimetern etwas kleiner ist als die hiesige Hornissenart, wurde erstmals 2019 im Landkreis Bergstraße nachgewiesen und hat sich seitdem vor allem in Südhessen stark ausgebreitet. Zu erkennen ist sie an ihrer charakteristischen dunklen Grundfärbung: Die Brust ist schwarz, der Hinterleib dunkel mit wenigen gelben Binden, die Beine sind schwarz-gelb gefärbt. Invasive Arten können sich rasch verbreiten und verdrängen dabei zum Teil heimische Arten. Von der Asiatischen Hornisse ist bekannt, dass andere Insekten wie Honigbienen oder Wespen zu ihrem Beutespektrum gehören. Da mögliche Auswirkungen auf ganze Bienenvölker oder auch die Europäische Hornisse bisher noch nicht erforscht sind, ist es wichtig, die Verbreitung im Auge zu behalten und über das Vorkommen informiert zu sein. Bei der Asiatischen Hornisse besteht deshalb laut Unionsliste eine Meldepflicht.
Weitere Informationen zur Asiatischen Hornisse gibt es auf der Webseite des Hessisches Landesamts für für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) sowie beim Projekt Velutina.
Große Drüsenameise

Die Große Drüsenameise ist eigentlich im Mittelmeerraum beheimatet, breitet sich aber auch in Deutschland immer mehr aus. Anders als heimische Arten hat die Topina Magnum mehrere Königinnen und bildet so Superkolonien. Gehwege oder Einfahrten etwa können über große Flächen unterhöhlt und geschädigt werden. In Reinheim, Roßdorf, Darmstadt, Sprendlingen und Offenbach ist ihr Vorkommen unter anderem nachgewiesen. Jetzt hat es auch einen Fund in Seeheim-Jugenheim gegeben.
Gefunden wurde die Große Drüsenameise an einem Gehweg und einem sich anschließenden privaten Gelände in der Alten Bergstraße in Jugenheim. Erkennen lässt sich die Große Drüsenameise, die anders als ihr Name vermuten lässt, nur wenige Millimeter groß ist, zum einen an ihrem markanten Geruch. Zerdrückt man ein Exemplar zwischen den Fingern, so riecht es nach Aceton oder auch nach Zitronen. Zudem sind die Arbeiterinnen einer Kolonie unterschiedlich groß und ziehen sich nicht zurück, wenn sie gereizt werden, sondern strömen aus und verteidigen ihre Kolonie. In einem Nest gibt es darüber hinaus nicht nur eine, sondern mehrere Königinnen, was die Superkolonien mit mehreren Millionen Ameisen erklärt.
Bei einem Verdacht auf das Vorkommen der Großen Drüsenameise sollte man Fotos oder ein Video der Sichtung bei der Meldestelle des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hochladen und begutachten lassen. Seit Anfang April 2026 gibt es diesen kostenfreien Bestimmungsservice das Landes, der helfen soll, die Ausbreitung der Großen Drüsenameise einzudämmen. Denn bei einem Verdacht ist schnelles Handeln wichtig. Nach Bestätigung sollte man zudem umgehend die Gemeindeverwaltung informieren. Ansprechpartnerin ist Lisa Dönges vom Bereich Umwelt und Klima, Tel. 06257/990-206, E-Mail lisa.doenges@seeheim-jugenheim.de.
Für die Bekämpfung der Drüsenameise im öffentlichen Raum ist die Kommune zuständig, im privaten Bereich müssen die Betroffenen selbst tätig werden. Je nach Ort und Größe des Befalls, kann es ausreichen, die Ameisen in den Nestern mit heißem Wasser aus dem Wasserkocher zu bekämpfen. Bei einer größeren Ausbreitung muss gegebenenfalls ein sachkundiger Schädlingsbekämpfer hinzugezogen werden. Da die Ameisenart meist über Erde und Pflanzen verschleppt wird, empfiehlt es sich außerdem, beim Kauf oder der Weitergabe insbesondere von mediterranen Pflanzen diese auf einen Ameisenbefall zu überprüfen. Ist eine Pflanze betroffen, sollte sie komplett mit dem Topf luftdicht verpackt und über den Restmüll entsorgt werden, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden. In die Biotonne oder zum Kompost gehört sie auf gar keinen Fall.
Weitere Informationen sowie den link zur Meldestelle gibt es unter www.hlnug.de
Bitte beachten: Diese Webseite ist in Bearbeitung - weitere Informationen folgen!
