Hauptstraße mit Häusern in Jugenheim

Erinnerungsarbeit

Warum ist es Arbeit, sich zu erinnern?

Manche Erinnerungen lasten schwer. Damit sie nicht dauerhaft zu einer Last werden, ist es wichtig, den Blick in die Vergangenheit zu richten - denn nur so können wir aus dem Vergangenen lernen.

Gerade die Verbrechen und Gräuel, die während der Nazi-Zeit geschehen sind, sollten uns zu einem klaren „Nie wieder“ führen. Daran müssen wir arbeiten.

Die Gemeinde Seeheim-Jugenheim hält auf vielfältige Weise die Erinnerung wach: mit regelmäßigen Gedenkveranstaltungen zum 9. November 1938, zum Volkstrauertag und zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar sowie mit Stolpersteinen und mit Dokumentationen, die das Vergangene ins Jetzt holen.

Kontakt

Sabine Milewski

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Schulstraße 12
64342 Seeheim-Jugenheim

Tel. 06257 990-103
Fax 06257 990-44103

E-Mail presse@seeheim-jugenheim.de

Im JULI

Vortrag Lilly Maier: Mutige Frauen

Die vergessenen Helferinnen und Retterinnen von Juden während der Shoah

Rund sechs Millionen Juden wurden während der Shoa von den Nationalsozialisten ermordet. Einige zehntausend jedoch konnten gerettet werden – dank des Engagements von Menschen, die ihr eigenes Leben riskierten, um zu helfen: Frauen und Männer, die verfolgte Juden in ihren Wohnungen oder auf ihren Bauernhöfen versteckten, ihnen falsche Papiere besorgten oder sie außer Landes schmuggelten. Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat dafür 27.362 Menschen den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ verliehen.

Nur eine Handvoll dieser Menschen sind heute öffentlich bekannt – und die wenigen, die man kennt, sind zumeist Männer. Frauen, die Juden halfen oder retteten, sind hingegen im Nebel der Geschichte verborgen. Und das, obwohl laut Statistiken von Yad Vashem mehr als die Hälfe aller Retter Frauen waren. Yad Vashem nennt sie „Women of Valor“, also Frauen der Tapferkeit.

In ihrem Vortrag über „die vergessenen Helferinnen und Retterinnen von Juden während der Shoah“ stellt Lilly Maier exemplarisch mehrere dieser mutigen Frauen vor. Es geht aber auch um die Frage, warum diese Frauen in der Erinnerungskultur bis heute vernachlässigt sind. Die in München lebende Autorin forscht zum Nationalsozialismus und war schon zweimal in Seeheim-Jugenheim auf Einladung der Gemeinde mit Lesungen zu ihren Büchern zu Gast. 

Der Vortrag, der gemeinsam von den Bereichen für Gleichstellung und Erinnerungskultur veranstaltet wird, findet am Mittwoch, dem 6. Juli, in der Seeheimer Laurentiuskirche statt. Einlass ist um 19 Uhr, Beginn um 19.30 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

RÜCKSCHAU MÄRZ

Auf den Spuren jüdischen Lebens 

Stolpersteinführung mit Klaus Knoche

Teilnehmer einer Stolpersteinführung in Seeheim

Am 26. März fand der Nachholtermin für die eigentlich zum Holocaust-Gedenktag geplante Stolpersteinführung in Seeheim statt. Neben den Lebensgeschichten zu Stolpersteinen unter anderem von Dr. Arthur und Marguerite Mayer in der Albert-Schweitzer-Straße bezog Klaus Knoche in seinem Vortrag dieses Mal auch die Biographien von Widerstandskämpfern wie Georg Reith mit ein. Der mutige Pfarrer, der 1932 mit seiner Familie nach Seeheim zog, war Mitglied der Bekennenden Kirche und hat immer wieder Juden während des Nazi-Regimes zur Flucht verholfen. Sind wir alle wachsam genug, um ein „Nie wieder“ zu erreichen? Mit dieser Frage verabschiedete sich Klaus Knoche von den rund 40 Teilnehmern der Führung. Auf dem Bild: Klaus Knoche (ganz rechts) bei der Stolpersteinführung vor dem Haus von Dr. Arthur und Marguerite Mayer in der Albert-Schweitzer-Straße.


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Dokumentationen

Gedenkveranstaltungen

Stolpersteine

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Seeheim´s Altes Rathaus am Sebastiansmarkt

Im entstehen

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Zeichnung Mann mit Handy

Stolperstein-App 

Zwischen 2013 und 2014 wurden in Seeheim-Jugenheim insgesamt 40 Stolpersteine als Zeichen der Erinnerung in das Pflaster gesetzt. Die Idee, mit den kleinen quadratischen Messingtafeln an das Schicksal jener Menschen zu erinnern, die von den Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben, deportiert oder ermordet wurden, geht auf den in Köln lebenden Künstler Gunter Demnig zurück. Rund 70.000 Stolpersteine wurden seit dem Start seines Projekts 1992 in europäischen Kommunen verlegt: das größte dezentrale Mahnmal weltweit.

Teile der Lebensgeschichten in Seeheim-Jugenheim, die sich hinter den Stolpersteinen verbergen, sind in der Dokumentation über die „Opfer des Nationalsozialismus“ zu finden, die die Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl im Auftrag der Gemeinde erarbeitet hat und 2012 herausgegeben wurde. Für den Arbeitskreis „Wider das Vergessen“ hat Klaus Knoche zudem zu den Stolpersteinverlegungen dreizehn Einzel- und Familienschicksale näher recherchiert, die auf der Gemeinde-Webseite nachzulesen sind und deren Geschichten er auch immer wieder bei Stolpersteinführungen anlässlich von Gedenktagen erzählt. 

Die Gemeinde möchte nun noch einen Schritt weiter gehen und eine Stolperstein-App erstellen, um die Erinnerung auch in einer digitalisierten Form zu bewahren. So könnte man sich etwa übers Handy direkt die Lebensgeschichten erzählen lassen, wenn man über einen der Steine im wahrsten Sinne stolpert und mehr wissen will als den bloßen Namen und die Geburts- und Sterbedaten. Schließlich sind die Stolperstein-Geschichten ein wichtiger Teil unserer Ortsgeschichte.

Bürgerinnen und Bürger sind dazu eingeladen, eine Autoren-Patenschaft für einen der geplanten Hörbeiträge zu übernehmen. In drei Projektblöcken soll von April bis Juni 2022 daran gearbeitet werden, wobei die Teilnehmer unter anderem lernen, einen Audiobeitrag zu gestalten: vom Schreiben fürs Sprechen bis zum Umgang mit Aufnahmegeräten und Schnittsoftware. 

Bei Interesse am Projekt:
Sabine Milewski, Tel. 06257/990-103, presse@seeheim-jugenheim.de.