Aus Freundschaft wird Städtepartnerschaft
2018 wurde eine Freundschaftsvereinbarung zwischen der Gemeinde Karlovo in Bulgarien und der Gemeinde Seeheim-Jugenheim geschlossen. Jetzt ist diese Freundschaft in eine offizielle Verschwisterung überführt worden, die beim Festakt zur Eröffnung des Forums am Rathaus am 16. Januar feierlich begangen wurde.
Die Gemeinde Karlovo ist ein Gebiet im Rosental am Südhang des Balkangebirges, zu dem auch die gleichnamige 28.000 Einwohner zählende Stadt gehört. Die bulgarische Hauptstadt Sofia liegt rund 120 Kilometer entfernt. Über Alexander Josef Prinz von Battenberg, der als zweiter Sohn des Prinzen Alexander von Hessen und bei Rhein auf Schloss Heiligenberg aufwuchs, besteht eine enge Verbindung Seeheim-Jugenheims zu dem Balkanstaat. 1879 übernahm er mit nur 22 Jahren das neu gegründete Fürstentum Bulgarien. Auch wenn seine Regentschaft nur wenige Jahre währen sollte, so trug er doch maßgeblich dazu bei, dort ein Staatsgefüge nach europäischem Vorbild zu errichten. Noch heute erinnert das eigens errichtete Battenberg-Mausoleum in der bulgarischen Hauptstadt an ihn und seine Bedeutung für die bulgarische Geschichte.
Diese Verbindung ist es auch, die die Freundschaft zwischen Karlovo und Seeheim-Jugenheim ins Rollen brachte. Nach einem Besuch auf Schloss Heiligenberg, zu dem Dr. Sigrun Comati, die Vizepräsidentin der deutsch-bulgarischen Gesellschaft zur Förderung der Beziehungen zwischen Deutschland und Bulgarien e.V., zwei Freundinnen aus Karlovo eingeladen hatte, berichteten diese zurück in Bulgarien begeistert von Seeheim-Jugenheim, dem Heiligenberg und den Aktivitäten der dortigen Stiftung. Den damaligen Leiter der Stiftung, Dr. Joachim Horn, luden sie daraufhin zum Rosenfest nach Karlovo ein, der wiederum Bürgermeister Olaf Kühn davon berichtete und schließlich die Freundschaftsvereinbarung auf den Weg brachte.
Seit der Unterzeichnung der Freundschaftsvereinbarung 2018 hat es vielfältige Kontakte zwischen Karlovo und Seeheim-Jugenheim gegeben, die das Band zwischen den beiden Gemeinden hat enger werden lassen. Entscheidend dazu beigetragen konnte auch die Ausstellung „Sandro“, die die Stiftung Heiligenberg erarbeitet hat. Sie zeichnet den Lebensweg des ersten Regenten von Bulgarien nach, seine Zeit auf Schloss Heiligenberg miteinschlossen. Gezeigt wurde die Ausstellung 2022 auf dem Schloss sowie anschließend in mehreren Städten in Bulgarien, jeweils mit großem Erfolg. In diesem Jahr macht sie nun auch in Karlovo Station.
Zur Begründung der Verschwisterung zwischen Karlovo und Seeheim-Jugenheim, die beim Festakt zur Eröffnung des Forums am Rathaus jetzt feierlich begangenen wurde, war eine sechsköpfige Delegation aus der bulgarischen Partnergemeinde gekommen, darunter Bürgermeister Dr. Emil Kabaivanov sowie die beiden Freundinnen, die vor mehreren Jahren in Karlovo den Anstoss für alles Weitere gaben. Und natürlich gehörte ein Besuch auf Schloss Heiligenberg zu ihrem Programm, bevor es am Abend dann zu einer Besichtigung des Forums und den anschließenden Feierlichkeiten ging.
„Mit der heutigen Verschwisterung geben wir dieser Freundschaft einen festen Rahmen. Wir sagen bewusst: Diese Beziehung soll Bestand haben. Sie soll wachsen und mit Leben gefüllt werden – durch Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Schulen, Kulturschaffende und Verwaltungen auf beiden Seiten“, formulierte es Bürgermeisterin Birgit Kannegießer im Rahmen des Festaktes. Gemeinsam mit ihrem bulgarischen Amtskollegen Dr. Emil Kabaivanov unterzeichnete sie die Verschwisterungsurkunde, die die Städtepartnerschaft offiziell besiegelt. Wie wichtig Städtepartnerschaften und -freundschaften, von denen es mittlerweile rund drei Dutzend zwischen Bulgarien und Deutschland gibt, für die Verständigung und den Austausch sind, unterstrich auch der bulgarische Botschafter Grigor Kalinov Porozhanov, der gemeinsam mit der Generalkonsulin Diana Popova an den Feierlichkeiten teilnahm. „Städtepartnerschaften sind ein tragender Pfeiler des europäischen Gedankens. Sie entstehen nicht auf Regierungsebene, sondern in den Kommunen – dort, wo Menschen sich begegnen, austauschen und Vertrauen aufbauen“, fügte Birgit Kannegießer dem an. Bereits verschwistert ist Seeheim-Jugenheim mit Villenave D’Ornon in Frankreich, Ceregnano in Italien sowie Kosmonosy in Tschechien. Im Forum am Rathaus erinnert nun ein eigener Raum an die neue Partnerschaft. Er wurde mit dem Namen „Karlovo“ versehen und steht neben den Sitzungen des Gemeindevorstands kleineren Gruppen als Ort für Austausch und Treffen zur Verfügung.
Auf dem Bild: Besiegelten die Verschwisterung zwischen Karlovo und Seeheim-Jugenheim feierlich mit einer Urkunde: Bürgermeisterin Birgit Kannegießer und ihr bulgarischer Amtskollege Dr. Emil Kabaivanov.
Foto: Carola Maul / Foto Hanno

