Anpassen statt ausbauen
Der Bedarf an Betreuungsplätzen sowohl im U3- als auch im Ü3-Bereich sinkt in Seeheim-Jugenheim erheblich: Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Kindergartenbedarfsplanung, die die Gemeindeverwaltung im Zuge der Haushaltsplanungen 2026 vorgenommen hat. Anpassen an den geänderten Bedarf und kein weiteres Ausbauen von Betreuungsplätzen ist daher das Gebot.
Dass die Bedarfszahlen einem steten Schwanken unterliegen, ist Tanja Zimmermann, als Fachbereichsleiterin „Soziales“ für die Kitas in Seeheim-Jugenheim zuständig, gewöhnt. „Dynamische Bevölkerungsentwicklungen, kurzfristige Veränderungen in den Betreuungsbedarfen sowie begrenzte personelle Ressourcen stellen für uns als Gemeindeverwaltung immer wieder eine große Herausforderung dar,“ so Zimmermann. „Allen Eltern jetzt problemlos einen Platz für ihre Kinder zur Verfügung stellen zu können: In dieser Situation waren wir schon lange nicht mehr.“ Und das liegt an den Geburtenzahlen, die 2018 und 2019 noch bei 167 Kindern im Jahr lagen, in den Folgejahren leicht hin- und herpendelten, seit 2023 aber stark rückläufig sind. Im vergangenen Jahr wurden in Seeheim-Jugenheim nur noch 95 Kinder ins Geburtsregister aufgenommen, im Vergleich zu 2018 also nur noch rund die Hälfte.
Um den vor wenigen Jahren noch hohen Bedarf an Betreuungsplätzen abdecken zu können, wurden Angebote verstärkt ausgebaut. In Malchen wurde hinter den Tennisplätzen 2020 eine temporäre Kita aus Container-Modulen erstellt, die mit einer Ü3-Gruppe und zwei U3-Gruppen zusätzliche Plätze für insgesamt 49 Kinder geschaffen hat. Eine weitere Ü3-Gruppe konnte in einem Raum der nahegelegenen Malchener Bürgerhalle untergebracht werden. 2021 wurde zudem das Erdgeschoss im Haus Hufnagel in Seeheim zu einer Kita mit zwei Gruppenräumen umfunktioniert, die Platz für 45 Kinder im Ü3-Alter bietet. Ein weiterer Ausbau an Betreuungsplätzen mit einem sechszügigen Kita-Neubau war am Zeppelinweg in Seeheim angedacht, wo auch ein zusätzliches Wohngebiet entstehen sollte.
„Jetzt gilt es, in die umgekehrte Richtung zu denken und unsere Pläne entsprechend anzupassen“, betont Bürgermeisterin Birgit Kannegießer. Die Container-Module in Malchen, die bis Anfang 2027 angemietet sind, werden zum Ende des Kindergartenjahres 2026/27 Jahr abgebaut. Schon jetzt wird aufgrund der gesunkenen Bedarfszahlen ein Raum dort in der U3-Betreuung nicht mehr genutzt. Erhalten bleibt der Gruppenraum der Zikaden in der Bürgerhalle, der genauso wie die bestehenden zwei Naturkindgruppen in Malchen weiterhin organisatorisch zum Inklusiven Familienzentrum Kita Windrad gehören. Die Pläne für einen Neubau im Zeppelinweg wurden zunächst eingestellt.
Auch die Pläne eines freien Trägers sind von den aktuellen Anpassungen betroffen. Für die seit vielen Jahren angedachte Naturkita des Vereins Tagfalter in der Nähe der Kleingartenanlage am Röderhof zwischen Seeheim und Malchen, für die bislang keine Betriebserlaubnis des Landkreises vorliegt, werden im Haushalt 2026 aufgrund der gesunkenen Bedarfszahlen keine Gelder eingestellt. Der Verein und die Gemeindeverwaltung standen darüber im Austausch. Die Tagfalter haben nun vor, dass Gelände für ein anderes Angebot im Kinder- und Jugendbereich zu nutzen.
Ein gesunkener Bedarf an Betreuungsplätzen besteht nicht nur in Seeheim-Jugenheim. Allgemein ist ein Rückgang der Geburtenzahlen im Landkreis zu verzeichnen. Zurzeit gibt es in der Gemeinde 35 Plätze in der Kindertagespflege sowie 115 Krippen-Plätze für Kinder unter drei Jahren, die sowohl von kommunalen als auch freien Einrichtungen angeboten werden. 561 Kita-Plätze sind es insgesamt in beiden Trägerschaften im Ü3-Bereich. Mit diesem Angebot ergibt sich für das Kindergartenjahr 2027/28 ein zu erwartender Überhang von 42 Plätzen bei Kindern unter drei Jahren sowie ein Überhang von 57 Plätzen bei Kindern über drei Jahren. „Wichtig ist mir den Familien zu vermitteln, dass es mit Maßnahmen wie der vorgesehenen Reduzierung des Angebots in Malchen 2027 und dem Abplanen der Kita am Zeppelinweg nicht weniger Betreuungsplätze für die Kinder gibt, sondern dem quantitativen Bedarf entsprechend“, so Bürgermeisterin Birgit Kannegießer. „Jedes Kind erhält bei uns einen Betreuungsplatz.“ Die zukünftig bestehenden Platzkapazitäten fangen erwartungsgemäß auch weiterhin die innerörtliche Nachverdichtung oder den verstärkten Zuzug von Familien auf.

