Spatenstich in „Stiwwisch“
6oo Jahre ist es her, dass Stettbach erstmals urkundlich erwähnt wurde: Für die „Stiwwischer“ ein Grund zum Feiern! Doch die Corona-Pandemie machte den Planungen für die Jubiläumsfeierlichkeiten am ersten Oktoberwochenende einen Strich durch die Rechnung. Eingeladen zu einer Feier waren die rund 150 Einwohnerinnen und Einwohner der zweitkleinsten Seeheim-Jugenheimer Ortslage am 3. Oktober aber dennoch. Der erste Spatenstich, der symbolisch für den Baubeginn steht, wurde am Backhaus in der Ortsmitte ausgeführt.
Ein neues Backhaus soll im Rahmen des 600-jährigen Dorfjubiläums entstehen: Diese Idee wurde von ein paar Stettbachern zunächst aus einer heraus Laune heraus geboren. Mehr als 100 Jahre hatte es in „Stiwwisch“, wie die Stettbacher ihr Dorf liebevoll nennen, ein Backhaus gegeben. Nach seinem Abriss Mitte der 1950er Jahre stand die Fläche in der Ortsmitte lange Zeit leer, bis dort ein Sammelplatz für Müllcontainer Einzug hielt. Für die Nutzung des Dorfzentrums konnten sich die Feuerwehrleute um den Vorsitzenden des Feuerwehrvereins Ralf Steinmetz allerdings Schöneres vorstellen. Warum nicht an alter Stelle ein modernes Backhaus errichten? Der Platz würde damit neu belebt und an Attraktivität gewinnen, die dörfliche Gemeinschaft würde gefördert werden. Und damit entwickelte sich aus der Idee ein fester Plan, an dem die Dorfgemeinschaft fleißig gearbeitet hat.
Ein Konzept wurde erstellt, ein Entwurf angefertigt. Mit dem Backhaus in der Ortsmitte wollen die Stettbacher eine alte Tradition in eine zeitgemäße Form bringen. So soll das Haus neben einem Brotbackofen sowie Sitzmöglichkeiten drinnen wie draußen auch über W-Lan verfügen. Das Gebäude zeigt sich insgesamt modern, bedient sich aber historischer Baumaterialien und versteht es, sich auf diese Weise harmonisch ins restliche Ortsbild einzufügen.
Mit ihrer Backhaus-Idee trafen die Stettbacher auf offene Ohren: Nicht nur bei der Gemeindeverwaltung, die das Projekt als Grundeigner und offizieller Bauherr unterstützt. Auch die Förderung durch ein Landesprogramm für Dorf- und Regionalentwicklung konnte sich das Ganze sichern, mit dem immerhin rund die Hälfte der erforderlichen Bausumme in Höhe von 115.000 Euro abgedeckt ist. Zahlreiche private Spender ließen sich zudem von der Sache begeistern, sodass der Gemeindehaushalt nur gering belastet werden muss.
Nachdem im vergangenen April die Baugenehmigung vorlag, sollte es eigentlich zügig losgehen mit der Baustelle in der Stettbacher Ortsmitte, um zum Dorfjubiläum im Oktober ein fertiges Backhaus präsentieren zu können. Doch das Jubiläum musste Corona-bedingt vertagt werden und für das Bauvorhaben fanden sich zunächst keine Firmen, die noch eine Lücke in ihren Auftragsbüchern hatten. Doch jetzt ist der Spatenstich gemacht, die Bauarbeiten starten und sollen bis Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein. Läuft alles nach Plan, kann das erste Brot in „Stiwwisch“ zu den Jubiläumsfeierlichkeiten „600 Jahre Stettbach +1“ gebacken und verköstigt werden. Die Nutzung des Backhauses soll dann aber nicht nur den „Stiwwischern“ vorbehalten sein. Auch Gäste „von außerhalb“ sind im Stettbacher Backhaus herzlich willkommen.
Auf dem Bild (v.l.n.r.): Ließen sich vom vielen Nass von oben die Laune nicht verderben: Ralf Steinmetz von der Freiwilligen Feuerwehr Stettbach, Bürgermeister Alexander Kreissl, Ehrengemeindebrandinspektor Rainer Anders, Architektin Caroline Forthuber und Feuerwehrmitglied Justin Steinmetz beim Spatenstich fürs Backhaus in Stettbach am 3. Oktober.
Foto: Mi /Gemeinde Seeheim-Jugenheim
Stimmen zum Backhaus
Ralf Steinmetz, Freiwillige Feuerwehr Stettbach e.V.:
Der Verein der Freiwilligen Feierwehr Stettbach unterstützt nicht nur den Brandschutz. Er ist gemäß Satzung zudem dafür da, die Kultur und die dörfliche Gemeinschaft zu fördern. In dieser Eigenschaft hat der Verein bereits einiges bewegt. Krönung ist unser zukünftiges Backhaus. Mit diesem Jubiläumsgeschenk wollen wir nicht nur die Dorfgemeinschaft weiter fördern, sondern mir diesem einmaligen Projekt dazu beitragen, die Gemeinde insgesamt attraktiver zu machen.
Architektin Caroline Forthuber (und Stettbacherin):
Der Reiz und das Besondere für mich an diesem Projekt war, dass es durch und mit der Dorfgemeinschaft entstanden ist, in der ich selbst lebe. Dadurch war es etwas sehr Persönliches. Die Idee, die Nutzung und Planung sind in vielen Gesprächen mit den „Stiwwischern“ zusammen entstanden. Die alte Nutzung als Backhaus aufzugreifen, aber daraus viel mehr zu machen und zwar ein offenes, einladendes Gebäude als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft an den künftigen Backtagen, aber es auch als Rastplatz für Wanderer und Radfahrer anzubieten und damit auf unser schönes Stettbach aufmerksam zu machen, empfand ich als beflügelnd und zukunftsweisend für das Leben im Dorf.
Bürgermeister Alexander Kreissl:
Manchmal entstehen aus einer Laune heraus die besten Ideen. Das Backhaus in Stettbach ist ein gutes Beispiel dafür. Es verbindet eine alte Tradition mit dem Heute und hat als ganz besonderer Treff- und Aktionsort weit über Stettbach hinaus eine Strahlkraft.
Weitere Informationen zum Backhaus und seinem Projektfortschritt gibt es unter
www.ff-stettbach.de
