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Seeheim-Jugenheim - Aus der Geschichte

 

Durch das Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt vom 26. Juni 1974 wurden mit Wirkung vom 01. Januar 1977 die Gemeinden Jugenheim und Seeheim zu einer Gemeinde zusammengeschlossen, die zunächst den Namen Seeheim trug.

Ab 01. Januar 1978 lautet der Name der Gemeinde: Seeheim-Jugenheim. Die Gemeinde besteht aus den Kernortsteilen Seeheim und Jugenheim sowie den Ortsteilen Balkhausen, Malchen, Ober-Beerbach, Steigerts und Stettbach.

Seeheim wird im Jahre 874 erstmals schriftlich erwähnt, als Ludwig II., der Deutsche, seine Güter daselbst mit allem Umschwung und Zubehör dem Kloster Lorsch schenkte. Die Endung „heim“ deutet auf eine fränkische Siedlungsgründung, was nicht ausschließt, dass schon lange vorher am Austritt des Elsbaches aus der Gebirgsregion in die Ebene und am Rand eines vermuteten Sees Menschen sesshaft waren.
Um 1130 gehörte das Dorf den Herren von Bickenbach und gelangte vor 1150 als Mitgift von Luitgard - einer Tochter des Konrad I. von Bickenbach - in das Eigentum der Herren Hagen-Arnsburg. 
Dieses Ministerialiengeschlecht nannte sich ab 1162 nach einer neuerbauten Burg „von Münzenberg“. 
Den Münzenbergern wird alsdann die Errichtung der Burg Tannenberg zugeschrieben, die 1239 erstmals als „Burg Seeheim“ erwähnt ist. Nach der 1399 erfolgten Zerstörung der Burg erwarben die Schenken von Erbach nach und nach das Herrschaftsrecht über das Dorf, das sie schließlich im Jahre 1714 an die Landgrafen von Hessen-Darmstadt übergeben mußten.

Jugenheim (Guginheim, vom Personennamen Gugo = Hugo) wurde 1241 erstmals urkundlich erwähnt, ist aber als Siedlung weitaus älter, wie eine Grabstätte der Schnurkeramiker sowie ein Urnen- und Schalenfund aus der Eisenzeit belegen. Der Ort gehörte damals den Herren von Bickenbach und kam zusammen mit der Burg Jossa durch Verkauf und Erbgang in den Besitz der Schenken von Erbach. Diese Burg war nur etwa 60 Jahre lang bewohnt und verfiel danach. An der Stelle eines vermuteten befestigten Herrenhofes (11./12.Jhdt.) auf dem Heiligenberg wurde um 1260 ein Nonnenkloster gestiftet, das 1413 aufgehoben wurde. Neben ihm steht die 1000-jährige Zent linde, unter der im Mittelalter das Zentgericht tagte. Die Zent wurde 1399 erstmals urkundlich erwähnt, ihr Bereich erstreckte sich auf die umliegenden Dörfer. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Heiligenberg ein Hofgut erbaut. Die Großherzogin Wilhelmine von Hessen und ihr Sohn, Prinz Alexander, erweiterten es zu einem Schloß. Es war Mittelpunkt regelmäßiger Besuche des russischen Zarenpaares und Treffpunkt von Königen, Fürsten und Diplomaten, Prinz Alexander ist der Stammvater der Battenberger/
Mountbatten, zu deren Nachfahren der englische Thronfolger und der spanische König gehörten.

Balkhausen ist 1357 als „Balkhüsen“ bezeugt: Bald darauf kam es in den Besitz der Schenken von Erbach,
die es 1714 als Zubehör des Amtes Tannenberg an Hessen verkauften. Die Entstehung der Kirche wird dem
14. Jahrhundert zugeschrieben. Nach dem Ausbruch der Pest im 30-jährigen Krieg ist Balkhausen völlig aus-
gestorben und steht 14 Jahre leer. Erst 1660 gab es wieder 27 Einwohner.

Malchen findet seine erste Erwähnung in einem bickenbachischen Güterverzeichnis von 1380 - 1388, die nächste Nennung enthält das Gültbuch Tannenberg, das um 1400 geschrieben sein muß.
Die dritte Erwähnung vom Jahre 1420 findet sich in einer Urkunde des Darmstädter Stadtarchivs über den Verkauf des halben Amtes Tannenberg an Konrad von Erbach. Malchen gehörte wie Seeheim zur Herrschaft
der Herren von Bickenbach und wurde im Jahre 1714 hessisch.

Ober-Beerbach - Zu Ober-Beerbach zählen auch die Ortsteile Steigerts und Stettbach sowie Heinzenklingen und Wallhausen. Im Totenbuch des Klosters Lorsch findet sich die erste Erwähnung von Ober-Beerbach.
Ein Adliger namens Werner schenkte dem Kloster eine Hube in Wallhausen und zwei Teile an der Kirche in Berebach uperiore. Die Stiftung muß zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert erfolgt sein.
Dieser urkundliche Beleg beweist, daß es schon vor dem Jahre 1200 die Siedlung Ober-Beerbach, eine Hube in Wallhausen und sogar eine Kirche gegeben hat. Wallhausen ist in dieser Lorscher Urkunde als „Waltenhusen“ bezeugt. Die Besiedlung von Steigerts begann vor etwa 200 Jahren. Stettbach ist schon 1420 als „Stedebach“ bezeugt, als Hademar zu Laber seinen Besitz hier an den Pfalzgrafen Ludwig verkaufte. Stettbach gehörte bereits seit 1699 zur Gemeinde Ober-Beerbach.

Die Gemeinde Seeheim-Jugenheim besteht seit der Gebietsreform am 01. Januar 1977, bei
der die Gemeinden Seeheim und Jugenheim zusammengelegt wurden.
Deshalb war es notwendig, ein neues Gemeindewappen in heraldischen Regeln und den historischen Gegebenheiten entsprechend zu schaffen.
Die Gemeindevertretung einigte sich auf eine Kombination der beiden Wappen der zusammen-
geschlossenen Gemeinden und übernahm aus beiden das Rebmesser (Hippe) und fügte aus dem Seeheimer Wappen den Stern und aus dem Jugenheimer Wappen das Hufeisen hinzu.

Die Hippe will ausdrücken, daß der Weinbau einstmals in Seeheim und Jugenheim ein Haupterwerbszweig war. Sie ist keine Sichel, wie der Laie meinen könnte, sondern ein Rebmesser, das von den Römern mit dem Weinbau eingeführt wurde und bei der Arbeit in den Weingärten unentbehrlich war.

Der Stern weist auf das Erbach’sche Wappen hin und zeigt, daß Seeheim zur Grafschaft Erbach gehörte.

Das Hufeisen soll auf das Mühlenwesen hinweisen. Die zahlreichen Müller mußten ihr Mahlgut teilweise von weither bei ihren Kunden holen und besaßen zu diesem Zwecke Gespanne mit Pferden.

Die Gemeinde Seeheim-Jugenheim ist mit rund 17.000 Einwohnern ein Unterzentrum, das trotz der direkten Nachbarschaft zu den Großstädten des Rhein-Main-Neckargebietes weitgehend Eigenständigkeit besitzt aufgrund der reichhaltigen Infrastruktur des differenzierten Angebotes bei Handel und Dienstleistungen sowie zahlreicher Handwerksbetriebe.

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