Überlebender und Tochter danken für Anteilnahme

Alljährlich am 25. April wird in Italien an die Befreiung vom Faschismus, an das Ende der Besetzung durch die Nationalsozialisten sowie an die Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnert. In Ceregnano, der italienischen Partnergemeinde Seeheim-Jugenheims, und in deren Nachbargemeinde Villadose wird dieser Nationalfeiertag unter großer Anteilnahme der Bevölkerung begangen.

Am 25. April 1945 hatten deutsche Soldaten während ihres Rückzugs aus Italien in beiden Orten Verbrechen an der Zivilbevölkerung begangen. 20 männliche Bewohner im Alter von 13 bis 75 Jahren wurden als Vergeltung für einen Partisanenangriff erschossen. Nur drei junge Männer überlebten das Massaker. Sie lagen unter den Leichen. Das Erschießungskommando hatte sie für tot gehalten.

Bild: Gemeinsam mit der Bevölkerung der italienischen Partnerkommune Ceregnano gedachte die Seeheim-Jugenheimer Delegation den Opfern des Nationalsozialismus. (pae-foto)

Da Seeheim-Jugenheims Bürgermeister Olaf Kühn im Urlaub war, nahm der gemeindliche Pressesprecher und Leiter vom Büro für Städtepartnerschaften Karsten Paetzold auf Einladung des Bürgermeisters der Partnergemeinde Ivan Dall’Ara in Ceregnano und in Villadose an den Gedenkfeiern teil. Er verlas die Rede von Kühn, die von Thea Mollo vom Ausländerbeirat übersetzt wurde. Zur Begleitung gehörten auch dieses Jahr wieder Giulio Mollo, der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins sowie ein polnisches Musikerehepaar. Erstmals reiste auch Pfarrer Martin Kleespies von der Katholischen Gemeinde in die Kommune im Podelta.

Am Abend vor dem Feiertag las die Schriftstellerin und ehemalige Lehrerin am Schuldorf Bergstraße Barbara Zeizinger aus ihrem Buch „Am weißen Kanal“ in zwei Schulen und im Rathaus der Partnergemeinde. Das Buch behandelt die Geschichte des Massakers.

Welche große Bedeutung die Anwesenheit der Seeheim-Jugenheimer Delegation für Ceregnano hat, wurde daran deutlich, dass Pfarrer Kleespies die Messe hielt. Die Gottesdienstbesucher beachteten besonders die in fließendem Italienisch gesprochene Liturgie.

In seiner Rede verwies Kühn darauf, dass die Täter niemals Reue gezeigt und sich entschuldigt hätten. „Deshalb möchten wir den Angehörigen unsere Scham und unser Mitgefühl ausdrücken“.

Zusammenmit der Bevölkerung gingen die Seeheim-Jugenheimer abschließend auf die Friedhöfe beider Orte. Auf den Gräbern der Ermordeten legten Paetzold und Dall’Ara Kränze nieder. Mit Tränen in den Augen dankten der Überlebende Egidio Manfrinati, der vor dem Massaker fliehen konnte, und Beniamina Ponzetto, die Tochter eines Ermordeten, den Gästen aus Deutschland für ihre Teilnahme. Die Bürgermeister von Ceregnano und Villadose würdigten in ihren Ansprachen besonders, dass die Seeheim-Jugenheimer jedes Jahr zu den Gedenkfeiern kommen. Sie wünschten, dass die Gäste von der Bergstraße im kommenden Jahr wieder an den Gedenkfeiern teilnehmen.

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