Sieben Bürgermeister auf Sommertour – unterwegs zu Highlights der nördlichen Bergstraße

Über 67 Kilometer zieht sie sich von Darmstadt bis Heidelberg, den Römern war sie als „strata montana“ eine wichtige Handels- und Verkehrsstraße und den Einheimischen ist sie das Synonym für Heimat schlechthin. Schon immer hat die Bergstraße Menschen ins Schwärmen gebracht, selbst so berühmte Persönlichkeiten wie Goethe. So ist in seinen Aufzeichnungen des viel gereisten Dichterfürsten von 1612 über die Bergstraße zu lesen: „Ich glaube, du willst unser Italien ausstechen.“ 16 Städte und Gemeinden reihen sich entlang der Bergstraße. In einem Netzwerk gemeinsam mit Winzern, Gastronomen, Heimatvereinen, Unterkunftsbetrieben sowie Privatpersonen haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, touristische Vorzüge der Region hervorzuheben.

Dazu gehört die Bergsträßer Sommertour, zu der sich jetzt sieben Bürgermeister getroffen haben, um auf regionale Besonderheiten aufmerksam zu machen. Neben den vielen bekannten touristischen Sehenswürdigkeiten ist die Bergstraße ein Mekka für Genießer. Dafür steht nicht nur der Wein, dessen Trauben an den sonnenverwöhnten Hängen entlang der Ferienstraße wachsen, das gilt auch für die Vielfalt der regionalen Küche. Begleitet von der Vorsitzenden des „Tourismus Service Bergstraße“, Maria Zimmermann und ihrem Stellvertreter Thomas Herborn, hatten die Bürgermeister drei Stationen ausgewählt. Start war beim Zwingenberger Amtskollegen Dr. Holger Habich, der im vergangenen Jahr eine ganz besondere Attraktion ins Leben gerufen hat. Von Mai bis September lädt der Abendmarkt im 14-tägigen Rhythmus donnerstags in den Hof des Rathauses ein. Neben Wein von örtlichen Winzern, Honig, Obst und Gemüse gibt es außerdem regionale Spezialitäten, wie Lammfleischprodukte oder die „Bergsträßer Kracher“, herzhaft oder süß gefüllte Snacks aus Strudelteig. Von 17 bis 20 Uhr verwandelt sich der Hof des „Schlösschens“ zu einem beliebten Treffpunkt. „Eine tolle Sache“ fanden auch die Bürgermeisterkollegen, die von dem großen Zuspruch überrascht waren.

Foto: Seeheim-Jugenheims Bürgermeister Olaf Kühn gibt seinen Amtskollegen eine kurze Einführung in die Geschichte von Schloss Heiligenberg.

Auf Schloss Heiligenberg in Seeheim-Jugenheim erwies sich Bürgermeister Olaf Kühn als Kenner der Geschichte dieses Anwesens, das „immer noch ein Geheimtipp“ an der Bergstraße ist. Großherzogin Wilhelmine von Hessen hatte das ursprüngliche Hofgut 1827 gekauft und zum Schloss Heiligenberg umbauen lassen. Es entwickelte sich zu einem beliebten Treffpunkt des europäischen Hochadels und auch das Zarenehepaar Alexander der II. mit Marie, Tochter von Großherzogin Wilhelmine, waren häufig zu Gast. Eng verbunden mit Schloss Heiligenberg ist die Geschichte der Battenberger/Mountbatten und deren Verbindungen nach Russland, England, Spanien, Griechenland und Bulgarien. Olaf Kühn gab einen kurzen Abriss dieser geschichtsträchtigen Verflechtungen. Über viele Jahre war Schloss Heiligenberg Sitz der hessischen Lehrerfortbildung. Mit der Übernahme durch die Stiftung Heiligenberg wurde die Anlage aus dem Dornröschenschlaf geweckt und nach und nach zu einem kulturellen Kleinod mit vielfältigen Angeboten entwickelt. Neben der großzügigen Parkanlage, den historischen Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise Goldenes Kreuz, Mausoleum oder Russenhaus, ist Schloss Heiligenberg Ort für Veranstaltungen und Konzerte. Auch das gastronomische Angebot ist einen Besuch wert. Im Außenbereich des Lokals, unter alten Bäumen und mit herrlicher Fernsicht in die Pfalz, probierten die Rathauschefs eine Auswahl der kulinarischen Köstlichkeiten aus Keller und Küche von Gastwirtin Annette Bombala.

Foto: Bergstraßen-Bürgermeister genießen regionale Spezialitäten im Außenbereich von Schloss Heiligenberg.

Nächste Station war der Walderdorffer Hof in Bensheim, etwas rustikaler, aber nicht weniger geschichtsträchtig als Schloss Heiligenberg. Immerhin handelt sich bei dem 1392 erbauten Anwesen um das älteste Fachwerkhaus Südhessens. Das zum Teil an einen Gastronom verpachtete Anwesen ist heute im Eigentum der Heimatvereinigung Oald Bensem, die hier ihren Vereinssitz und schon einiges in den Erhalt und die Optimierung der Außenanlage investiert hat, wie Bürgermeister Rolf Richter lobend erwähnte. Mit seiner regionalen Küche hat Gastwirt Heinz Knapp sich längst in Bensheim etabliert. Die Speisekarte bietet in Original Bensemer Dialekt nicht nur originelle Gerichte, sondern auch sprachliche Heimatkunde. Obligatorisch war die Begrüßung im Innenhof mit dem Bensemer Droppe, bevor die Gruppe im Gastraum Bürgermeister-Schnitzel (mit Leberwurst), Bratwurstschnitzel oder mit Spundekäs‘ gefüllte Crêpes – gepaart mit einer Auswahl an Bergsträßer Weinen – genießen konnte. Zu den regionalen Besonderheiten des Walderdorffer Hofes gehört außerdem das Weinheimer Bier.

In einem kurzen Fazit waren sich die Bürgermeister einig, dass es bei dieser einmaligen Sommertour nicht bleiben soll. Auch über den zweiten Teil der diesjährigen Aktion hinaus, die am 9. August in den südlichen Teil der Bergstraße nach Hemsbach, Weinheim und Hirschberg führen wird, ist für das kommende Jahr eine weitere Tour geplant, in die unter anderem auch Lorsch einbezogen werden könnte. Lorschs Bürgermeister Christian Schönung hatte sich ebenfalls an der Sommertour beteiligt. „Wir sind eine kleine, aber feine interkommunale Gemeinschaft, die Bemerkenswertes zu bieten hat“, stellte Bensheims Bürgermeister Richter fest. Die regionalen Highlights seien einerseits für den Tourismus interessant, anderseits aber auch Standortfaktor und Mehrwert für die Bevölkerung. Gerne mache man als Botschafter für die Bergstraße mit der Sommertour auf diese Besonderheiten aufmerksam.

Das bekräftigten auch die Bürgermeister Jürgen Kirchner aus Hemsbach und Hermann Lenz aus Laudenbach sowie Oberbürgermeister Heiner Bernhard aus Weinheim. Der Ausflug von der südlichen Bergstraße in den nördlichen Teil hatte die erfahrenen Rathauschefs durchaus beeindruckt: „Da lassen wir uns was einfallen“, so Weinheims OB im Hinblick auf den zweiten Teil der Sommertour im August.

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