Innovative Technik in der Kläranlage Bickenbach

Abwasserverband Bickenbach/Seeheim-Jugenheim nimmt Mikro-Gasturbine in Betrieb

 
Das verfahrenstechnische Optimum der Kläranlage zu erreichen und dabei wirtschaftliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen – dies ist seit langem das Ziel auf der Verbandskläranlage des Abwasserverbandes Bickenbach/Seeheim-Jugenheim.
 
 
Daher gaben sich die beiden Geschäftsführer Jörg Stanzel und Michael Stolbow und ihr Team nicht damit zufrieden, dass die auf 32.000 Einwohner ausgebaute Anlage zwar problemlos lief, aber mangels Kraft-Wärme-Kopplung jährlich rund 58.000 Nm³ Gas einfach abgefackelt wurden. Immerhin verpufften dadurch Jahr für Jahr umgerechnet ca. 100.000 kWh Strom und ca. 200.000 kWh Wärme buchstäblich als heiße Luft. Das Klärgas wurde nur zur Beheizung der Faulung und der Betriebsgebäude genutzt. Das ist nun anders: Eine auf 50 kW gedrosselte MicroTurbine CR65 von VTA wandelt das gesamte anfallende Gas in Strom und Wärme um. Faulung und Betriebsgebäude werden weiterhin beheizt, doch darüber hinaus erzeugt die MicroTurbine auch noch rund 200.000 kWh Strom pro Jahr, der in der Kläranlage verbraucht wird. Durch die Umsetzung des Vorhabens wird eine CO2-Reduzierung infolge der Eigenstromerzeugung in Höhe von 163,7 t CO2/a erreicht.

Die Entscheidung für diese innovative Technologie hat man sich in Bickenbach nicht leicht gemacht. Das Ingenieurbüro HIFU (Harzer Ingenieure für Umwelttechnik GbR) führte vorab eine Wirtschaftlichkeitsberechnung durch. In dieser Analyse wurde die MicroTurbine einem konventionellen Blockheizkraftwerk mit Kolbenmotor gegenübergestellt und auch geprüft, ob es ökonomisch günstiger wäre, das überschüssige Klärgas weiterhin abzufackeln. Diese Kosten-Nutzen-Analyse gemäß der entsprechenden Leitlinie der Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) ergab, dass die MicroTurbine – insbesondere aufgrund des deutlich geringeren Wartungsaufwands – die wirtschaftlichste Variante ist. Wörtlich urteilt das Ingenieurbüro HIFU: „Grundsätzlich wurde festgestellt, dass der Einsatz der Mikrogasturbine unabhängig vom betrachteten Zinssatz (2 bis 6%) sowie möglicher Energiepreissteigerungen (0 bis 3 %) auch ohne Förderung nach dem HEG die wirtschaftlichste Lösung darstellt.“

Das Projekt „Demonstrationsvorhaben Mikrogasturbine in der Verbandskläranlage Bickenbach“ wird durch das Land Hessen im Rahmen des Operationellen Programms für die Förderung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung in Hessen aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Mit der MicroTurbine auf der Verbandskläranlage Bickenbach soll im Zuge des Demonstrationsvorhabens nachgewiesen werden, dass eine gleichwertige Primärenergieeinsparung gegenüber bereits bestehenden Technologien wirtschaftlicher erreicht werden kann. In den nächsten Jahren soll im Zuge des Förderprojekts daher der bestehende Erfahrungsschatz zum wirtschaftlichen Betrieb von MicroTurbinen zur Nutzung des auf Kläranlagen anfallenden Faulgases erweitert werden. Den Beweis in der Praxis hat die neue MicroTurbine CR65 nun in der Bickenbacher Kläranlage angetreten.


Zwischenbericht zum Betrieb der klärgasbetriebenen Mikrogasturbine

Am 11.11.2011 wurde die mit Klärgas betriebene Mikrogasturbine in der Verbandskläranlage Bickenbach in Betrieb genommen. In dem Zeitraum bis heute hat die im Rahmen des Operationellen Programms für die Förderung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung in Hessen aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung geförderte Mikrogasturbine bereits ~ 560.000 kWh Strom erzeugt und somit ~ 288.000 kg CO2 eingespart.